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Förderverein soll dem Russischen Haus Rückenwind bringen

ES-INNENSTADT: Kultur- und Begegnungszentrum im "Dick"
zieht positive Zwischenbilanz — Knappe Finanzen bremsen die Entwicklung

Von Alexander Maier

Vor Jahresfrist waren sie mit großen Plänen gestartet, und noch längst sind sie nicht am Ziel all ihrer Träume. Doch die Macher des Russischen Hauses Baden-Württemberg sind mittlerweile ein gutes Stück vorangekommen. Nach ersten Anfängen in der Villa Pebra fand das russische Kultur- und Begegnungszentrum nun ein Domizil im Dick-Center in der Weststadt. Nun soll ein Förderverein den Durchbruch bringen.

Mit beharrlicher Engagement haben Natalja Jakovleva und ihre Mitstreiter die Idee eines Russischen Hauses in Esslingen voranzutreiben. Und die Architektin, Künstlerin und Präsidentin des Vereins ist zuversichtlich, dieses Zentrum russischen Lebens, russischer Kultur und internationaler Begegnung dauerhaft zu etablieren. Die Voraussetzungen dafür sieht sie günstig: "Das Russische Haus hat viele Ideen sowie ein starkes intellektuelles und kulturelles Potenzial. Wir sind bereit, beides unserer neuen Stadt, unserem neuen Land und unseren neuen Mitbürgern zu schenken."

Das Russische Haus, das mittlerweile in der ersten Etage des Dick-Centers residiert, "ist für alle geöffnet, die Interesse an russischer Kultur, Geschichte, Wissenschaft und Wirtschaft haben". Allerdings will die Präsidentin auch die kulturelle Brücken schlagen: "Ich finde, dass die Russen sich nicht nur auf ihren eigenen Kulturkreis beschränken sollten." Deshalb lud sie vor einigen Wochen Vertreter unterschiedlichster Nationalitäten zum "Internationalen Cafe" ein — die Resonanz machte Mut, weiterzumachen.

Unter ihren Landsleuten fand Natalja Jakovleva auf Anhieb große Unterstützung. Kein Wunder, dass das Russische Haus bereits auf vielfältige Weise von sich reden machte: Konzerte, Lesungen, ein russisches Kinderweihnachts- und Silvesterfest zählten zu den Highlights. Und auch in den kommenden Wochen ist allerhand geplant: ein Liederabend zum Andenken an Matvej Blanter, ein Kindersommerfest unter dem Motto "Blumenkarneval", allerlei zum 300-jährigen Jubiläum von St. Petersburg oder ein Operettenabend mit der Sopranistin Tatjana Lehnhardt — für besondere Veranstaltungen wie diese weicht man auch auf andere Veranstaltungsorte wie das Alte Rathaus oder die Alte Aula aus.

Unter dem Dach des Russischen Hauses entstand auch eine "Schule der Künste", in der Dozentinnen und Dozenten ihre Fähigkeiten weitergeben. Ausserdem nennt der umfangreiche Veranstaltungskalender, der auch via Internet abzurufen ist, eine Fülle weiterer Angebote wie einen Club für Liebhaber russischer Literatur, ein Pantomimestudio und vieles mehr. Und weil Integration ohne Sprache nicht gelingt, bietet das Russische Haus auch Sprachkurse an.

"Unser Kulturangebot erweitert sich ständig, fast täglich kommen neue Ideen und Angebote", schwärmt Natalja Jakovleva. Was zum konsequenten Ausbau des Programms freilich fehlt, ist das nötige Geld. Obwohl Esslingens Stadtverwaltung der Idee eines Russischen Hauses durchaus gewogen ist, wie etwa der scheidende Kulturbürgermeister Udo Goldmann wiederholt versicherte, scheint ein kommunaler Zuschuss angesichts knapper Kassen in weiter Ferne.

Deshalb versucht Natalja Jakovleva mit der ihr eigenen Energie nun, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen:
Für den nötigen finanziellen Rückenwind soll ein Förderverein "Freunde des Russischen Hauses Baden-Württemberg" sorgen, an dessen Gründung derzeit mit Nachdruck gearbeitet wird. Neben Privatpersonen möchte Natalja Jakovleva auch Unternehmen der Region für ihre Idee gewinnen.

Esslinger Zeitung vom 6 Mai 2003

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