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ESSLINGEN: Silvesterfeier für Kinder im Russischen Haus | |||||||||
Zar Peter der Große hat das Fest im Westen abgeschaut
Von Peter Dietrich
Mit dem Winter hier ist Väterchen Frost, richtig eigentlich Opa Frost, gar nicht zufrieden. Trotzdem kam er mit dem Pferdegespann zu den Kindern vom Russischen Haus ins Dick. Und hatte außer Geschenken auch eine Geschichte mitgebracht: von dem Mädchen Mascha, das sich beim Blumensuchen im Wald verlaufen hatte und von einem Bären gerettet wurde. Da schickte die Stiefmutter die kleine Mascha doch glatt im Winter in den Wald, um dort Blumen zu sammeln. Hätte der Bär nicht das Mädchen gefunden und mit in seine Höhle genommen, es wäre erfroren. Er ist ein kluger Bär, der die Menschen versteht. Er ist nicht böse, dass Mascha seine Schüssel mit Brei aufgegessen hat, er versteht, dass sie Hunger hat. Und wenn der Bär droht, Mascha zu verspeisen, dann versteht jeder, dass das nur Spaß ist. Wenn er ein wenig böse ist, dann nur deshalb, weil Mascha die Schüssel nicht sauber gemacht hat - er mag nämlich kein schmutziges Geschirr. Ein halbes Jahr lang lebt Mascha beim Bären, zusammen mit den beiden frechen Mäusen, die auch in der Höhle wohnen. Bis sie dann doch das Heimweh nach Papa, Oma und Opa packt. Sie denkt sich eine List aus: Der Bär soll Pilzpastete ins Dorf bringen, in einem großen Korb, und Mascha will sich darunter verstecken. Weil Mascha weiß, dass der Bär die Pastete gerne lieber selber verspeisen würde und sie dann entdecken würde, droht sie, sie würde auf einen hohen Baum steigen und aufpassen. Der Bär kann sich schon denken, warum der Korb so schwer ist, aber er sieht es ein, dass Mascha zurück zu den Menschen will. Gespielt wurde das Märchen auf Russisch. Was man nicht verstand, erklärte Nurilja Root jedoch gerne in deutscher Sprache. Sie hat sich auch mit der Entstehung des russischen Neujahrsfests beschäftigt: "Zar Peter der Große hat das Fest im Westen abgeschaut. Er verlegte den russischen Neujahrsbeginn vom 1. September auf den 1. Januar und ordnete Feiern mit Tannenbaum und Weihnachtsmann an." Im Lauf der Jahrhunderte bildeten sich einige Unterschiede zum westlichen Kollegen heraus: Opa Frost hat keine Rentiere, sondern eine Pferdetroika, trägt russische Filzstiefel und einen Holzstab. Begleitet wird er nicht von Knecht Ruprecht, sondern von seiner Enkelin Snegurotchka, dem Schneemädchen. Und dann muss er sich noch mit Baba Jaga herumschlagen, einer Art Hexe, die den Guten hilft und die Schlechten bestraft. "Der Jahreswechsel ist das größte russische Fest, es wird traditionell in der Familie gefeiert. Kinder bis zur neunten Klasse, aber auch Erwachsene verkleiden sich als Schneekönigin, Piraten oder Mütterchen Winter - ähnlich wie hier an Fasching", erläutert Root. Feuerwerk gehöre nicht zur Feier, dafür gebe es in den Dörfern große Eisfiguren. Erwachsene und Kinder rutschen auf Rutschbahnen hinunter, die im Mund von Opa Frost beginnen. Esslinger Zeitung vom 29 Dezember 2002 | |||||||||
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